SEELISCHE KRISE Lebenskrise, Identitätskrise und „Nervenzusammenbruch“ Eine seelische Krise bedeutet eine akute
seelische Belastungssituation durch Ungleichgewicht der eigenen seelische
n Anpassungs- und
Verarbeitungsfähigkeit und der inneren und äußeren Belastung durch
Alltagsrealität. Die
seelische Krise wird zur
Lebenskrise, wenn die berufliche oder private Realität des Einzelnen so stark
beeinträchtigt ist, dass er seine berufliche Identität oder seine privaten
Bindungen verliert. Die Folge ist eine berufliche oder private Isolation mit
seelische
r
auch körperlicher Erkrankung. Seelische Krise als „Nervenzusammenbruch“ In einer seelische n Krise fühlt sich der Einzelne noch in seinen sozialen/beruflichen Bindungen oder in seinem privaten Beziehungsnetz ausreichend getragen, leidet aber durch die relativ akuten Belastungen seelisch und auch meist körperlich sehr stark, wie bei einer Partnertrennung, einem Todesfall oder einer unerwarteten beruflichen Kündigung. In der seelische n Krise sieht der Einzelne zusätzlich keine richtige Zukunftsperspektive mehr, neigt zum Rückzug und zur Resignation. Bei
seelische
r
Krise kann der Betroffene jedoch im Alltag noch
folgerichtig, logisch und zweckmäßig reagieren und Hilfe organisieren. In
einem so genannten „Nervenzusammenbruch“ bricht auch diese Realitätsbewältigung
zusammen. Je nach Art dieses Nervenzusammenbruchs kommt es zu speziell heftigen
Gefühlsreaktionen mit einem akuten Zusammenbruch der Lebensbewältigung und des
Realitätsbezugs. Diese Menschen werden von ihrer Umgebung meist „außer
sich“ erlebt. Die seelische Krise, die Lebenskrise wie auch der Nervenzusammenbruch betreffen meist die drei wichtigsten Lebensbereiche des Menschen:
1.
Der erste Bereich ist der Bereich der Geborgenheit und Sicherheit,
der Versorgung und der Dazugehörigkeit, gleichsam der „seelische
Personalausweis“. Zu diesem Bereich gehört auch die grundlegende Versorgung
mit Nahrung, Wohnung und Geld, mit einer finanziellen Sicherheit. Ein Nervenzusammenbruch tritt auf, wenn
ich dabei auch noch die Kontrolle meiner Alltagsreaktion verliere und in einer
akuten schweren Krise einen „Weinkrampf“ erleide und nur noch benommen vor
mich hin stöhnen oder schreien kann. Die anderen müssen für mich dann die
volle Versorgung übernehmen, sich voll um mich kümmern wie bei einem kleinen
Kind. 2. Der zweite Lebensbereich ist der
Bereich der Macht und Geltung, mit sozial angemessener
Aggression, die sich ausdrückt im Nein-sagen-Können, Sich-abgrenzen, von anderen
fordern, sein Recht verteidigen und sich behaupten im beruflichen und
privaten Alltag. Dieser Bereich ist sozial geregelt durch „Gesetz
und öffentlich Ordnung“. Sind diese sozialen Funktionen gestört,
kommt es entweder zu einem Zuviel an unangemessener Aggression mit Streitsucht,
Rechthaberei und „ständigem Krieg“ oder einem Zuwenig an Aggression mit übertriebener
Unterordnungstendenz und „Frieden um jeden Preis“. Körperlich wirkt sich diese Problematik
meist im muskulären Bewegungsapparat aus als
Schmerz,
Rückenschmerzen
und Ischias
(Bandscheibenleiden). Die tiefere seelische Haltung ist ein inneres „Sich-Zusammenreißen“. Eine seelische Krise tritt auf bei einem ständigen ungerechten Unterdrücktwerden mit dem Gefühl der Ohnmacht, wie bei beruflichem Mobbing. In einer Lebenskrise fühle ich mich wie ein rechtloser und ausgestoßener ohne aktuelle Zukunftsperspektive und ausreichenden Rechtsschutz, oder wegen meiner ständigen Streitlust einen von allen Gemiedener. Bei einem Nervenzusammenbruch fühle ich
mich wie ein „wild gewordener Stier“ mit aggressiven Durchbrüchen,
„blinder Wut“, in der oft „alles zusammengeschlagen“ wird. Wie in allen
seelischen Problembereichen gibt es auch hier das Gegenteil mit dem Gefühl von
Hilflosigkeit und Ohnmacht, mit panischer
Angst
und Zittern vor einer befürchteten konkreten oder auch mehr fantasierten akuten
Bedrohung.
3.
Der
dritte Bereich umfasst den erotischen und sexuellen Erlebnisbereich mit dem
seelischen, neurotischen Krankheitsbild der „Hysterie“.
Körperlich treten nicht selten
„hysterische“ Körperfunktionsstörungen auf, z. B. Lähmungen ohne
organisch fassbare Ursachen. Eine seelische Krise entsteht meist bei starker vorwiegend sexueller Abhängigkeit bis Hörigkeit, bei Beziehungsabbruch oder auch beim „Fremdgehen“ eines Partners mit dem Gefühl unattraktiv zu sein oder zu versagen. Organisch handelt es sich meist um Potenzstörungen beim Mann oder auch unklare funktionelle Unterleibsbeschwerden bei der Frau. Eine Lebenskrise entsteht oft durch
sexuelle Neuorientierung des Partners mit Trennung aus einer sozial festgelegten
„juristisch einklagbaren“ Beziehung und der Folge für Familie, Besitz und
finanzieller Sicherheit für den allein gelassenen Partner und ggf. auch für
die gemeinsamen Kinder. Bei einem Nervenzusammenbruch bricht die
Trieb- und Verhaltenskontrolle zusammen. Dieser „hysterische Anfall“
zeichnet sich aus durch eine starke appellative Theatralik mit mehr „Effekt
als Affekt“, bedacht auf entsprechende große Wirkung auf die Umgebung. Es ist
ein buntes, laut schreiendes und jammerndes Symptombild ohne entsprechenden
objektiven Organbefund. Die Palette der Verhaltensweisen ist beeindruckend und
bunt, der Betroffene reagiert jedoch meist noch relativ gut auf die Umgebung und
ist weniger „gefährlich“ wie bei einem aggressiven Zusammenbruch und
weniger hoffnungslos wie bei einem depressiven Nervenzusammenbruch. In den letzten Jahren treten zunehmend auch Identitätskrisen auf. Mit Identitätskrise wird meist ein seelische r Zustand beschrieben, in dem der Einzelne seine soziale Bedeutung, seinen Selbst-Wert, seine Einmaligkeit in Frage gestellt sieht und durch zu hohe Idealansprüche an sich selbst oder durch entsprechendes Versagen im Alltag in seiner beruflichen und privaten Realitätsbewältigung scheitert. Bezeichnend ist das subjektive Gefühl der Minderwertigkeit, in dem sich der Einzelne so wertlos fühlt, dass er sich als nutzlos und störend bis überflüssig erlebt. In der Identitätskrise zweifelt und „verzweifelt“ er an sich und seinen Möglichkeiten, an seiner Attraktivität, seinem sozialen Wert, seiner Wichtigkeit für andere, seinen Stärken und seinem Leistungsvermögen. In einer Identitätskrise sieht er sich im Vergleich zu seinem inneren in der Regel überhöhten Selbstbild oder auch im Vergleich zu äußeren Idealmenschen deshalb als Versager, weil er seine eigenen realen Möglichkeiten falsch einsetzt. Ein Mensch, der krisenhaft unter seinen „Minderwertigkeitskomplexen“ leidet, sollte sich die Frage stellen: wie toll er eigentlich sein muss, um sich selbst als „normal“ akzeptieren zu können. Dieses Bild der Identitätskrise enthüllt
das eigentliche dahinterliegende und meist verborgen bleibende Problem der
eigenen „Größenfantasien“, in die sich dieser Mensch mehr verpflichtet fühlt
als seiner lebbaren Realität. Ein Fasan will eine Henne heiraten und
geht auf das Standesamt. Der Standesbeamte fragt den Fasan: Sie stolzer schöner
Fasan wollen wirklich diese kleine Henne heiraten? Der Fasan antwortet
selbstbewusst: Meine Frau und ich, wir lieben mich bis zum Wahnsinn - oder auch
die Feststellung: Ich bin müde, wir gehen schlafen. Diese narzisstische Haltung entsteht meist über frühe kindliche Verwöhnung mit übermäßiger Bedeutungserteilung, v. a. durch die Eltern. Sie sehen in ihrem Kind etwas Besonderes und Besseres, was zu einem überhöhten, verpflichtenden Selbstbild führt und letztlich zu dieser „Diktatur der Superlative“. Ein gesunder Narzissmus ist der Motor für große Leistungsanstrengungen. Ein krankhafter Narzissmus ist die Gefahr für eine Identitätskrise mit Zusammenbruch des Selbstwertes und Infragestellung des Selbstbildes. In der Identitätskrise, bei der diese
Scheinwelt, diese „Als-Ob-Persönlichkeit“ zusammenbricht, rettet sich der
Einzelne in die „Splendidisolation“, mit der Vorstellung: Die Welt ist mich
nicht wert. In steigendem Maße beginnt hier als generelles soziales Problem der
Griff nach der Wunderwaffe Alkohol mit zunehmender Alkoholabhängigkeit, jedoch
auch darin mit erneutem Selbstbetrug und letztlich auch einer Selbstzerstörung. Die Analogie zu einem
Nervenzusammenbruch in der Identitätskrise ist die Selbstzerstörung, die
Selbstvernichtung als Selbstmordversuch und nicht selten als endgültiger
Zusammenbruch der Selbstmord. Seelische
Krise, Identitätskrise und Nervenzusammenbruch: Die generelle Therapie und Hilfe in
einer
seelische
n
Krise ist die menschliche Anteilnahme mit Versorgung und Mobilisieren aller äußeren
und inneren Ressourcen. Eine seelische Krise
Natürliche
seelische Krise: Eine „natürliche“ Lebenskrise Diese Lebensschwellen können schon in der Kindheit beginnen und tauchen üblicherweise in bestimmten Situationen in jedem Leben als eine gewisse Form der Belastung auf. Im Einzelnen können folgende Lebensschwellen unterschieden werden:
· In der Kindheit die Einschulung, als Schwelle mit erster sozialer
Integration und Leistungsanforderung in der Schule, vor allem für „verwöhnte Einzelkinder“.
·
Die Pubertät mit allgemeiner seelischer Labilisierung, sexueller
Reifung und Rollenfindung in der Auseinandersetzung vor allem mit der Familie.
· Die Jugendphase mit sozialer beruflicher und privater Integration,
erster Partnerschaft, sexueller Erfahrung, Verliebtsein und folgender Realitätskonfrontation,
Beziehungauseinandersetzung, Bindung, Heirat und der beginnenden Suche nach
einem psychosozialen Kompromiss.
· In diese Jugendphase fällt auch Berufsausbildung, Berufswahl und
Berufseinstieg mit beruflicher und sozialer Integration und beginnender Berufsidentität, sowie
· Familiengründung mit entsprechender Partnerbelastung und
Alltagsverpflichtung. Neben der Kindheit und der Jugendphase folgt dann die Phase
· der Lebensmitte als Bilanzphase, als „Midlife-crisis",
meist zwischen dem 40. Und 50. Lebensjahr mit „den Wechseljahren“, der beruflichen und privaten Lebensbilanz, oft verbunden
mit Pubertät der eigenen Kinder oder zu versorgenden Eltern. Die letzte Phase ist
·
das Alter mit Verselbstständigung der Kinder, Pensionierung,
Berentung und damit Verlust der sozialen Funktion, mit beginnender Krankheit, ggf. Partnerverlust und Vereinsamung. Diese natürlichen Lebensschwellen können
zur
seelische n
Krise und Lebenskrise Im Nervenzusammenbruch der sehr akuten und schweren Krise kommt es - je nach Persönlichkeitskrise - zu einer depressiven, aggressiven, hysterischen oder narzisstischen seelischen Dekompensation. Der Mensch ist im Nervenzusammenbruch „außer sich“ und braucht daher mit zunehmender Dekompensation auch zunehmende Betreuung bis zur vollkommenen Übernahme seiner Versorgung durch Einweisung in ein psychotherapeutisches Krankenhaus/Fachklinik oder eine entsprechende Abteilung in der Psychiatrie. Der Mensch ist in einem Nervenzusammenbruch vorübergehend sozial und seelisch „ver-rückt“ und braucht fachliche Krisenintervention, d. h. Beruhigung, Versorgung, seelische Stützung und Konfliktklärung über Angehörigenkontakt und Fachberatung. In der seelischen Krise, auch als
Identitätskrise und Lebenskrise hilft in leichteren Fällen bei rechtzeitigem
Erkennen die Therapie bei einem ambulanten Psychotherapeuten, gleichsam wie bei
einem „seelischen Steuerberater“. Diese therapeutische Hilfe in einer
Lebenskrise und
seelische n
Krise ist, wie jede ärztliche Hilfe bei einem entsprechenden Fachtherapeuten,
eine Kassenleistung und damit für den Einzelnen in der Regel kostenlos. In schweren Fällen einer seelischen Krise oder Lebenskrise vor allem bei ausgeprägter Identitätskrise mit Selbstmordgedanken oder bei sehr akuten Krisen, wie Nervenzusammenbruch, aber auch bei fehlender Hilfe durch Angehörige und Freunde ist eine stationäre Fachbehandlung notwendig. Der akute Zustand erfordert schnelle und unbürokratische Hilfe auf einer psychotherapeutischen Krankenhausabteilung oder psychiatrischen Abteilung. Zur Aufarbeitung des Akutzustandes oder weniger schweren Krisenfällen ist eine stationäre Psychotherapie innerhalb einiger Wochen in einer psychotherapeutischen/psychosomatischen Klinik indiziert, wie z. B. im nordhessischen Raum in der Hardtwaldklinik I und Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten, der Wicker-Klinik und Klinik am Homberg in Bad Wildungen oder der Habichtswaldklinik in Kassel. Informationen erhalten Sie dort über das jeweilige kostenlose Telefon unter Nummer:
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
Sagen Sie uns ruhig mal Ihre
Meinung! Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den gewünschten Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.
Weitere
Fragen? Ihre Meinung?
HARDTWALDKLINIK II Kostenfreie Servicenummer 0800 / 9 14 63 60 Haftungshinweis: |